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  • Brigitte Obermeier

Alles schwankt

Sonntagmorgen in rosa, gelb und lila, endlich meine Motorschiene fürs Knie, eine bessere Nacht als die vorigen und mein Ritual, einen kleinen Bücherstapel neben mir, dann erst den hinteren äußeren Buchumschlag, dann den hinteren, danach den vorderen Klappentext, schließlich die erste Seite lesen, und daran anschließend fällt die Entscheidung, mit welchem Buch ich anfange. Heute war es "Daisy Jones& The Six" , ein richtig swingendes Buch über eine imaginäre Rockband. Zwischendurch in Lieder hineingehört, die im Buch vorkommen, z.B. "one fine day". Festgestellt, dass ich unbedingt mal wieder die Supremes hören muss.Das war unsere Musik während eines Urlaubs mit Anfang zwanzig- mit einem R4 Kombi durch Frankreich und Nordspanien. Einen Ort, der mich damals ungeheuer fasziniert hat, habe ich später mit meiner Familie gesucht und tatsächlich wiedergefunden- nur völlig verändert. Beim ersten Mal war Llanes ein verschlafener Fischerort, am Strand saßen schwarzgekleidete alte Frauen, die gehäkelt haben, sonst war nichts los, bis auf die enorm hoch über Felsen sprühende Gischt.

Inzwischen ist es ein völlig überfüllter Touristenort, nur noch häss

lich. Ich war zuerst aufgeregt, ob ich den Ort tatsächlich finden würde, da ich den Namen nicht mehr wusste, danach abgrundtief enttäuscht, als ich ihn wiedersah.

Zurück in die Gegenwart. Warum schwankt alles? Im Persönlichen zwischen Schmerzen und Euphorie, mürbemachenden Nächten und bunten Herbsttagen voller Zuversicht. Ganz allgemein die aktuelle Corona-Situation. Kommt der Lockdown? Hoffentlich bleiben wir alle gesund. Kommen überhaupt noch Zuschauer? Die neue Maskenpflicht am Platz, mag man da überhaupt noch ins Theater? Dann ein Abend wie gestern, an dem die Zuschauer völlig ausgerastet sind vor Begeisterung. Das hat gutgetan. Genießen wir es also, solange es noch möglich ist....und schmieden weiter Pläne.

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